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GO for Job - Gesundheitsorientierung

Innovatives Projekt erfolgreich umgesetzt

In Deutschland erkranken knapp ein Drittel der Bevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren im Verlauf ihres Lebens an einer psychischen Störung. Angststörungen werden am häufigsten diagnostiziert, gefolgt von Depressionen und psychosomatischen Beschwerden.
Die Daten der gesetzlichen Krankenkassen weisen einen stetigen Anstieg psychischer Krankheiten mit erheblichen Folgen für die betroffenen Personen und ihren Angehörigen nach. Auch die wirtschaftlichen Belastungen nehmen kontinuierlich zu, bedingt durch vermehrte krankheitsbedingte Kosten sowie durch Produktionsausfallkosten für Unternehmen und die gesamte Volkswirtschaft. Unterschiedliche Studien belegen, dass psychische Erkrankungen bei Arbeitslosen noch deutlich häufiger diagnostiziert werden als bei Berufstätigen.
Deshalb steht das Thema psychische Erkrankungen in Jobcenter schon seit längerem auf der Agenda. Am 01.10.2019 startete das kreisweite Projekt Go for Job - Gesundheitsorientierung. Bis zum Ablauf des fünfzehnmonatigen Projektzeitraums konnten 176 Menschen daran teilnehmen.
Ziel des Projektes war es, die berufliche und gesellschaftliche Teilhabe zu verbessern. Die Klärung sowie Verbesserung gesundheitlicher Einschränkungen wurde durch intensives Coaching unterstützt und unter Einbeziehung von Angeboten der Gesundheitsprävention der Krankenkassen sowie der Nutzung von kommunalen Beratungsangeboten einen Anschluss an das Beratungs- und Therapeutennetzwerk in die Wege geleitet, um wieder aktiv und leidensgerecht am Berufsleben teilnehmen zu können.
Die Zielgruppe der erwerbsfähigen Arbeitslosengeld-II-Beziehern im Alter zwischen 25 und 40 Jahren, die psychisch auffällig sind und/oder Suchtprobleme haben, konnten wirkungsvoll unterstützt werden. Die freiwillig Teilnehmenden beurteilten das neu entwickelte Projekt durchweg positiv.

So berichtet eine 30 jährige Teilnehmerin, die seit 7 Jahren arbeitslos ist: „In dem letzten halben Jahr wurde ich motiviert, mein Leben neu zu organisieren. Meinen ganzen Tagesablauf habe ich neu eingerichtet. Mit der Unterstützung meines Coaches habe ich sogar Bewerbungen geschrieben und verschickt. Ich habe jetzt eine Vorstellung davon, was ich beruflich machen möchte, auch wenn es schwer ist, aus dem alten Trott heraus zu kommen. Ich verlasse wieder allein meine Wohnung, gehe in die Stadt oder mache Besorgungen. Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht."
Zitat eines 35 jährigen Teilnehmers, der seit 7 Jahren arbeitslos ist: „In diesem Projekt habe ich durch das Gespräch mit der Psychologin erfahren, woher meine Ängste kommen, dass es sich um eine Erkrankung handelt, die behandelt werden kann und der ich nicht hilflos ausgeliefert bin. Viele Jahre wusste ich nicht, was mit mir los ist und wo ich Hilfen bekommen kann. Endlich habe ich gelernt, es zu verstehen und es hat sich viel positiv bei mir verändert. Ich kann wieder alleine etwas unternehmen und leide nicht mehr so stark unter den Angstzuständen. Ich fühle immer mehr, dass ich auch wieder arbeiten möchte und kann."
Bedingt durch die Erfolge, die für die Teilnehmenden erreicht wurden, hat sich das Jobcenter Kreis Wesel dafür entschieden, mit einem Anschlussprojekt die erfolgreiche Arbeit weiter fortzuführen und die Alterspanne der Zielgruppe auf 50 Jahre zu erweitern. Als neue Träger konnten die Akademie Klausenhof gGmbH mit Standort Wesel, der Caritasverband für die Dekanate Dinslaken und Wesel mit Standort Dinslaken sowie der Caritasverband Moers-Xanten e.V. mit den Standorten Rheinberg und Moers gewonnen werden. Das neue Projekt mit einer 24monatigen Laufzeit startet am 01.01.2021. Interessierte, Beratungsstellen und Arbeitslosengeld 2 Empfänger/innen können sich ab sofort an die Projektkoordinatorin Frau Reising unter 0281-9620102 wenden, um weitergehende Informationen zu erhalten.